Pastor Hoops

Aus Ev. Kirchengemeinde Grambke
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Pastor Heinrich Hoops

  • Pastor, *10.7.1867 in Bremen - Rablinghausen, +29.10.1946 in Bremen - Oberneuland.
  • Sein Vater Johann Jakob Hoops war seit 1858 Lehrer in Bremen, seit 1864 Schulvorsteher in Rablinghausen.
  • Sein Bruder Johannes Hoops (* 20. Juli 1865 in Bremen - Rablinghausen; † 14. April 1949 in Heidelberg) war ein deutscher Anglist. Er lehrte von 1896 bis ins hohe Alter an der Universität Heidelberg, seit 1902 als ordentlicher Professor. Vor allem drei Gebiete sind als Arbeitsschwerpunkte zu nennen: altertumkundliche Studien zur Botanik, Forschungen zum Beowulf und die Herausgabe des Reallexikons der germanischen Altertumskunde (RGA), dessen Erstauflage von ihm in vier Bänden 1911 - 1919 herausgegeben wurde.
  • Heinrich Hoops besuchte die Gemeindeschule in Rablinghausen, dann das Gymnasium in Bremen.
  • Er studierte in Marburg, Gießen, Halle und Bonn. 1891 - 92 war er Hilfsprediger in einem Dorf bei Lemgo und erhielt 1893 die Doppelpfarrstelle Mittelsbüren - Grambke.
  • Großen Anklang fanden seine plattdeutschen Predigten in St. Ansgarii und in einigen Orten der Umgebung.
  • Er gehörte kirchlichen Gremien, seit 1920 dem Kirchenausschuß der Bremischen Evangelischen Kirche an.
  • 1933 wurde er emeritiert, versah aber noch 1934 - 36 den Pfarrdienst in Seehausen. Dann zog er sich nach Oberneuland zurück.
  • Er starb 1946 auf tragische Weise. Das Gas, das damals nur tagsüber aus der Leitung kam und abends abgestellt wurde, war morgens ungehindert ausgeströmt. Man fand den Neunundsiebzigjährigen und sein Enkeltöchterchen tot auf.

Wo man Lärm und Staub vergisst

Weser Kurier vom Freitag, 14. Dezember 1984

Pastor Hoops aus Grambke schrieb über das Blockland einst sein wichtigstes Werk

ts. Heinrich Hoops war Pastor, Heimatforscher, Autor und Liederdichter, und seine inzwischen 87 jährige Tochter Mathilde erinnert sich: „Vater stand morgens um 3 Uhr auf, um seine Bücher zu schreiben, denn seiner Gemeinde sollte die Zeit dafür ja nicht abgehen.“ Das wichtigste Werk, das in aller Herrgottsfrühe im Grambker Pfarrhaus zu Papier gebracht wurde, war die 1927 erschienene „Geschichte des Blocklandes“. Der Bremer Johann Heinrich Döll Verlag hat das Buch in diesen Tagen neu herausgebracht – zur großen Freude der fünf überlebenden Hoops – Kinder Mathilde, Luise, Marie, Lieselotte und Ludwig, die inzwischen längst eigene Enkel oder sogar Urenkel haben.


„Wir können froh und dankbar sein“, schrieb Pastor Hoops 1927 im ersten Kapitel, „dass wir so nahe bei der Großstadt dieses herrliche, weite stille Land haben, in das man mit einem Sprung gelangen und in dem man Lärm und Staub und Nervosität der Stadt vergessen kann.“ Gerade in den letzten Jahrzehnten sei das Blockland für viele Bremer ein Ausflugsziel geworden, und zu Fuß, zu Rad, zu Wagen oder auch im Paddel-, Ruder-, Segel- oder Motorboot werde im Sommer die herrliche Landschaft genossen. „Und im Winter – hei! – wie da die blinkende Fläche lockt! Wohin man sieht – das glatte Eis, belebt von Tausenden rotwangiger, blankäugiger Schlittschuhläufer.“

Auch Heinrich Hoops inzwischen 87jährige Älteste bekommt blanke Augen, wenn sie ans Eislaufen denkt: „Meine schönste Erinnerung ans Blockland!“ Der Vater allerdings habe kaum je Schlittschuhe untergeschnallt. „Aber Großvater lief noch mit 70 wie ein junger Gott.“

Heinrich Hoops, Jahrgang 1867, war Lehrerssohn aus Rablinghausen. Seine Mutter Gesine, geborene Blanke, stammt von einem Bauernhof im Niederblockland. Als frischgebackener Pastor hatte sich der sechsundzwanzigjährige 1893 um die freiwerdende Doppelpfarrstelle Mittelsbüren / Grambke beworben. Er bekam sie und heiratete umgehend seine zierliche Braut Marie aus Langenholzhausen. Vier Jahrzehnte lang hatte Hoops das doppelte Pastorat inne. Die rasch größer werdende Familie wohnte zuerst im einsamen Bürener Pfarrhaus, dem die Kinder lange nachtrauerten, und zog dann 1907 ins neue Pfarrhaus nach Grambke.

Mathilde Hauttmann, geborene Hoops, die jetzt in Lilienthal wohnt, hütet liebevoll alte Fotos. Ihr Vater wirkt auf allen Bildern sehr gravitätisch, ein Mann, der um Würde und die Bürde seines Amtes weiß. Ein Foto zeigt ihn mit seinem Freund, dem Marschendichter Hermann Allberts, der – wie fast immer bei solchen Gelegenheiten – sein Adlerprofil kameragerecht zurecht gerückt hat. Der Vater, erzählt die Tochter, sei ein tatkräftiger, ein praktischer Seelsorger gewesen: „Kein Mann, der Hand in Hand mit Gott auf der Kanzel stand – und unten saß die sündige Gemeinde.“ Schrecklich sei die Zeit des Ersten Weltkrieges gewesen, als der Pastor die Todesnachrichten ins Haus bringen musste und sein Besuch deshalb gefürchtet wurde: „O Gott, de Herr Pastor kummt!“

Als der zweite Weltkrieg kam, war Pastor Hoops bereits emeritiert, betreute aber als Vertreter seines Schwiegersohnes zeitweise noch die Gemeinde Wasserhorst. Dann zog er sich wieder nach Oberneuland zurück, wo Im Holze 2a sein kleiner Altersruhesitz stand. Das Haus wurde von einer Bombe getroffen. Nur die Wohnstube blieb stehen – und darin überlebte der alte Pastor. Er starb 1946 auf tragische Weise. Das Gas, das damals nur tagsüber aus der Leitung kam und abends abgestellt wurde, war morgens ungehindert ausgeströmt. Man fand den Neunundsiebzigjährigen und sein Enkeltöchterchen tot auf.

„Nun wünsche ich dem Buche, dass es, was mir so unendlich wichtig und notwendig erscheint, Heimatliebe und Heimatverständnis wecken und stärken helfe,“ schrieb Heinrich Hoops im Vorwort seiner nun wieder aufgelegten „Geschichte des Blocklandes“. Mit wissenschaftlicher Akribie, zugleich aber auch mit dem Schwung, den die Liebe zum Sujet verleiht, erzählt er darin alles über einen der schönsten Bereiche Bremens – von den Anfängen bis zur Gegenwart von 1927, die inzwischen längst Vergangenheit ist:

„Zur Kirchfahrt und auch zu Vergnügungsausfahrten benutzen Männer sowohl als auch Frauen jetzt mit Vorliebe das Rad, wovon jedes Haus mehrere zur Verfügung hat, oder einen hübschen Jagd- oder ähnlichen, fast herrschaftlich anmutenden Federwagen, wie ihn dort mancher Bauer in den letzten Jahrzehnten angeschafft hat.“

„Ebenso sichtbar“, so Pastor Hoops damals, „ist der Aufschwung des Landes in der Vermehrung und Verbesserung des Rindviehbestandes. Während vor 60 Jahren nur wenige Kühe und Jungvieh geringer Güte ernährt werden konnten, ist deren Zahl seitdem in fast allen Betrieben auf das mehrfache gestiegen, so dass jetzt ein größerer Bauernhof etwa 8 – 10 Milchkühe und etwa 40 – 60 Stück Jungvieh aufweist.“

„Am deutlichsten aber tritt die wirtschaftliche Hebung des Landes in den Gebäulichkeiten hervor. Früher niedrige, ärmliche Wohnhäuser und leicht gebaute Scheunen, deren Wandfächer mit Reisiggeflecht und Lehmanwurf hergestellt waren, jetzt solide, erhöhte Häuser, manche massiv, einige neuere in schönem, veredelt niedersächsischem Baustil; die Scheunen und Ställe bedeutend vergrößert und dauerhafter gebaut. In nicht wenigen Häusern spielen die Töchter Klavier. Manche Söhne und Töchter der Blocklander Bauern haben die höheren Schulen in der Stadt besucht oder besuchen sie noch. Einige Söhne haben studiert oder sind zu Missionaren ausgebildet worden, haben aber – zu ihrer Ehre sei´s gesagt – bei aller Tüchtigkeit und hervorragenden Leistungen in ihrem Beruf als Philologe, Arzt oder Missionar beziehungsweise Pastor in Amerika den einfachen Sinn der Väter beibehalten und ihre plattdeutsche Sprache nicht vergessen.“

„Aus dem allen ist ersichtlich,“ resümierte Heinrich Hoops 1927, „dass die Trockenlegung des Blocklandes für seine Bewohner eine wirtschaftlich außerordentlich förderliche gewesen ist. Aber ebenso wie die „Trockenlegung“ der Vereinigten Staaten von Amerika ihre Schattenseiten hat, so auch diese des Blocklandes. Die alte Einfachheit und ernste Gediegenheit der Sitten im häuslichen und im gottesdienstlichen Leben sind in Gefahr, Schaden zu leiden. Möge der gesunde Sinn, der sich im Kern der Einwohnerschaft erhalten hat, die Herrschaft behaupten und bedenkliche Neigungen zum Festefeiern und dergleichen kraftvoll entgegentreten!“



Bleibende Bedeutung hat Hoops durch seine Veröffentlichungen:

  • Geschichte der Gemeinden Grambke und Büren (1905),
  • Geschichte der Börde Lesum (1909),
  • Geschichte des Bremer Blocklandes (1927).
  • Grambker Gemeindebericht 1908 - 1919
  • Sassenart, Niedersächsische Volkssitten und Bräuche / Bremen 1922
  • Das sittliche Empfinden und Leben des niederdeutschen Landvolkes einst und jetzt. Mitt. d. Schles. Ges. für Volkskunde. / Breslau 1927
  • Familienfeiern auf dem Lande. Die Niederweser. / Vegesack 1937