Aus Ev. Kirchengemeinde Grambke
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Bibelübersetzungen (im Überblick)

  1. LutherbibelDie Lutherbibel (revidierter Text von 1984) ist der maßgebliche Bibeltext der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Gliedkirchen für Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge. Diesen Text benutzen die gottesdienstlichen Bücher, er wird gebraucht, wenn die EKD und die Gliedkirchen offiziell reden. Er ist der in den Schulen eingeführte Bibeltext für den evangelischen Religionsunterricht. Der sprachgeschichtliche Rang der Lutherübersetzung ist unvergleichlich. Die Genauigkeit, ebenso wie die sprachschöpferische Freiheit der Übersetzung Luthers machen seine Bibel heute noch zum klassischen Bibeltext deutscher Sprache und zum zentralen Text der evangelischen Kirche.Lutherbibel (1984)Die Luther Bibel (1984) mit Volltextsuche
  2. EinheitsübersetzungDie Einheitsübersetzung (so genannt und ins Werk gesetzt als einheitliche Übersetzung der katholischen deutschsprachigen Diözesen, dann auch mit evangelischer Beteiligung, 1980) ist im Neuen Testament und in den Psalmen auch "ökumenischer Text". Dies empfiehlt sie in besonderer Weise für den Gebrauch bei ökumenischen Anlässen. Es entspricht der gemeinsamen Intention im Blick auf die ökumenischen Texte der Einheitsübersetzung, daß sie etwa bei gemeinsamen theologischen Ausarbeitungen und Verlautbarungen gebraucht werden. Die Einheitsübersetzung kann in gemeinsamen evangelisch-katholischen Bibelkreisen einen guten Dienst tun und auch beim Bibelstudium evangelischer Gruppen neben der Lutherbibel mit Gewinn gelesen werden. Bei ökumenischen Gottesdiensten sollte sie neben der Lutherbibel verwendet werden.
  3. Gute-Nachricht-BibelDie Gute-Nachricht-Bibel wurde von der evangelischen und katholischen Bibelgesellschaft gemeinsam erarbeitet und herausgegeben; sie hat sich eine beachtliche Verbreitung erworben. Sie liegt nun in der revidierten Fassung von 1997 vor. Die Gute Nachricht folgt (weiterhin) dem Übersetzungsprinzip der sogenannten "dynamischen Äquivalenz" von Eugene A. Nida. Während die sogenannte philologische Übersetzung textorientiert arbeitet (so daß das Ergebnis im Prinzip rückübersetzbar wäre), arbeitet die "kommunikative" Übersetzung rezipientenorientiert, d. h., sie will beim Leser und Hörer heute die gleiche informative und emotionale Wirkung erzielen ("dynamische Äquivalenz"), wie es der Text bei seinem Hörer damals tat. Dies hat zur Folge, daß ganze Formulierungen ausgetauscht werden und Erläuterungen in den Text eingebracht werden, die dem Leser damals geläufig waren, dem Leser heute aber mitgeteilt werden sollen. Die Gute-Nachricht-Bibel 1997 ist gegenüber der Fassung von 1982 zu einer gemäßigten Anwendung dieses Prinzips zurückgekehrt. Für den Einstieg in das Bibellesen des Einzelnen, auch für Lesungen bei Andachten usw., z. B. wenn schwierige Texte ohne Auslegung bleiben, kann die Gute-Nachricht-Bibel gute Dienste leisten.
  4. Hoffnung für alleDie Ausgaben der "Living Bible" (Living Bible International, Neues Testament 1983, Vollbibel: International Bible Society, 3. Aufl. 1998) versuchen, die sprachliche Schwelle, die den Zugang zur Bibel in vielen Übersetzungen erschwert, so weit herabzusetzen, daß ein schlichtes Umgangsdeutsch erreicht wird. Vielfach werden, wie bei der Methode der dynamischen Äquivalenz, verstehensleitende Einschübe hinzugefügt. Zur Verlebendigung verwendet die Erzählweise desöfteren Farben, für die der Text keine Vorlage hat. Hoffnung für alle hat besonders im evangelikalen Bereich Verbreitung gefunden.
  5. Elberfelder BibelMit der Elberfelder Bibel (revidierte Fassung 1991) hat der Brockhaus-Verlag eine Übersetzung veröffentlicht, die den Urtexten der Bibel mit höchster Genauigkeit folgt, wobei gelegentlich sprachliche Holprigkeiten im Deutschen in Kauf genommen werden. Es ist also eine klassische "philologische" Übersetzung. In der Hand von Studierenden der Theologie leistet die Elberfelder Bibel als Übersetzungshilfe bei schwierigen hebräischen und griechischen Passagen gute Dienste. Auch für bibellesende Gemeindegruppen ist die Elberfelder Bibel als Referenztext, der Nähe zu der Ursprache vermittelt, sehr geeignet.Elberfelder Bibel Übersetzung
  6. Die Zürcher BibelDie Zürcher Bibel, auf die Reformation Zwinglis zurückgehend, wurde zunächst in den Jahren 1907 - 1931 "nach dem Grundtext aufs Neue übersetzt". Dabei stand die philologische Korrektheit der Übersetzung entschieden im Vordergrund, auf die Erhaltung der traditionellen Sprache wurde keine Rücksicht genommen. Seit 1987 ist eine erneute Revision der Zürcher Bibel auf dem Weg, bisher veröffentlicht die vier Evangelien, die Psalmen (1996), Hiob, Kohelet, Hohelied (1998). Wiederum ist die philologische Genauigkeit das Übersetzungsziel, allerdings wird eine geschmeidigere, gehobene Sprache angestrebt. Gegenüber der der klassischen Zürcher Bibel verspricht die neue Zürcher Bibel besonders im Neuen Testament einen Gewinn.
  7. Die Bibel, neu in Sprache gefaßt von Jörg ZinkNach zahlreichen vorangegangenen Veröffentlichungen hat Jörg Zink seine typische Art der paraphasierenden Bibelübertragung nun in eine Gesamtbibel (1998) zusammengefaßt, die allerdings im Bereich des Alten Testaments eine Auswahlbibel darstellt. Die Bibelausgabe von Zink verdankt, wie leicht erkennbar ist, sowohl der Lutherbibel wie der Einheitsübersetzung sehr viel. Im Ganzen nähert sie sich, von der Paraphrase herkommend, wieder einer Bibelübersetzung, die allerdings weiterhin frei eigene Akzente setzt. Zink erreicht mit seiner Art der Textbehandlung viele Leser, die auf anspruchsvollerem Niveau vom Bibeltext persönlicher angesprochen werden wollen, als dies die klassischen Übersetzungen tun.
  8. Walter Jens. Der Römerbrief (2000)In seiner eigenwilligen Umgestaltung neutestamentlicher Texte (Die Offenbarung des Johannes, 4. Aufl 1994, Die vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, 1998) zielt Jens darauf, die rhetorische Qualität des Textes hervorzuheben. Er löst sich weitgehend vom Wortlaut und Satzbau zugunsten einer rhythmisierten Prosa. Sind die Sätze oft ausrufartig, kurz, unvollständig, so haben sie doch stets Anhalt an Merkmalen, die der griechische Text in Wortwahl und Wortstellung bereithält. Übertragungen wie diese sind nicht für den gottesdienstlichen Lesungsgebrauch gedacht, sie können aber dem sprachlich Interessierten etwas von der eindringenden Lebendigkeit des Bibelwortlauts vermitteln.
  • Weitere Bibelübersetzungen
Neben den hier genannten Übersetzungen gibt es zahlreiche andere, im ganzen sind gegenwärtig 34 deutsche Bibelübersetzungen oder Übersetzungen von Bibelteilen lieferbar. Es sind dies teils klassische philologische Übersetzungen wie die von Menge (Neuausgabe 1994), teils sprachlich virtuose Übersetzungen wie die von Buber-Rosenzweig (Taschenbuchausgabe 1992) oder Stier (1989), teils Übersetzungen mit ökumenischer Ausrichtung wie die Jerusalemer Bibel (seit 1985 mit dem Text der Einheitsübersetzung). Einen ausführlicheren Überblick gibt das Heft"Wissenswertes zur Bibel 10, Hellmut Haug: Deutsche Bibelübersetzungen - Das gegenwärtige Angebot, Information und Bewertung, 3. aktualisierte Auflage 1999, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, ISBN 3-438-06490-1.Oberkirchenrat Ernst Lippold, Kirchenamt der EKD, Hannover